Antifaschistische Aktionstage in Celôvec/Klagenfurt

Vom 18. bis 20. September fanden in Koroška/Kärnten die antifaschistischen Aktionstage, organisiert vom AK gegen den Kärntner Konsens (www.u-berg.at), statt um u. a. auf den Geschichtsrevisionismus der U-Berg-Gemeinschaft sowie die erstarkende rechtsextreme Szene in Österreich aufmerksam zu machen und ein klares antifaschistisches Zeichen dagegen zu setzen.

 

1. Antifa-Aktionstag: Freitag 18.9.

Die Antifaschist_innen sammelten sich ab ca. 17 Uhr beim Infopoint in der Kärntner Innenstadt, welcher Freitag und Samstag begleitend zu den Aktionen den vorbeigehenden Passant_innen und anderen interessierten Menschen die Möglichkeit bot, sich über den Hintergrund der Antifaschistischen Aktionstage und im Speziellen über die U-Berg-Gemeinschaft und deren Traditionen und Veranstaltungen sowie weiteren Themen zu informieren.

Die Demo formierte sich und ging, nach einem kurzen Besuch von ein paar lokalen offensichtlich dem rechten Spektrum zu zuordnenden Jugendlichen, gegen 18 Uhr los. Mit lautstarken Parolen und guter Musik zog die Demo durch die Innenstadt, begleitet von ganzen acht Polizist_innen, welche jedoch nach kurzer Zeit die Demo stoppten und forderten, mensch möge die Verwendung von "pyrotechnischen Utensilien" einstellen - gemeint waren damit die bisher geflogenen zwei (!) Piraten.

Nachdem die Demo etwa eine Viertelstunde durch die Innenstadt gezogen war, kam diese auch an der BZÖ-Zentrale vorbei, deren Fassade kurzerhand von einer Farbbombe getroffen wurde. Diesen Zwischenfall nahm die Polizei zum Anlass die Demo nach kurzfristiger Kesselung aufzulösen.

Auf dem Weg zum Infopoint begegneten einige Demoteilnehmern_innen der zuvor schon gesichteten Gruppe rechter Jugendlicher welche dank der Polizei entkommen konnten. Am Infopoint angekommen stellte sich heraus das ein Demonstrant festgenommen wurde. Dieser wurde jedoch noch am selben Tag wieder freigelassen.

Am Abend gab es dann die Möglichkeit sich auszutauschen, zu vernetzen, zu chillen oder einfach etwas zu feiern.

 

2. Antifa-Aktionstag: Samstag 19.9.

Am Samstag stand auf dem Aktions-Programm u. a. ein antifaschistischer Spaziergang durch Celôvec/Klagenfurt, der um 14 Uhr beim Anti-Partisan_innen-Denkmal begann, welches laut Medienberichten in der Nacht zuvor von unbekannten Täter_innen besucht und "bearbeitet" wurde - ebenso wie die FPÖ-Zentrale. Auch der Ulrichsberg selbst wurde besucht und Denkmäler vor Ort mit pinkfarbenen Luftballons "dekoriert". Zum letzteren bekannte sich das Kommando R.O.S.A. in einem Bekenner_innen-Schreiben. Hier nachzulesen …

Fachkundig wurden die Teilnehmer_innen über die revisionistischen Denkmäler informiert; z.B. darüber, dass eine der Zufahrtsstraßen zu dem Landeskrankenhaus Klagenfurt nach dem NS-Arzt Franz Palla benannt ist, welcher für mehr als 300 Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen verantwortlich ist.

Ab ca. 18 Uhr wurde in Krumpendorf vor dem Gemeindesaal eine antifaschistische Party gefeiert, da dieses Jahr dort nicht - wie sonst immer - das Samstags-Treffen der Alt-SSler und Neo-Nazis sowie dem restlichen rechten Dreck stattgefunden hat. Zur Feier in diesem Jahr - in dem das Ulrichsbergtreffen eigentlich zum 50. Mal (!) hätte stattfinden sollen - wurde ein antifaschistisches Denkmal (der überdimensionale Anti-U-Berg-Hase, der auf einem Plakat symbolisch den U-Berg durchstrich) enthüllt. Danach wurde ausgelassen gefeiert. Grund dazu gab es mehr als genug. Denn neben der Tatsache, dass das U-Berg-Treffen nicht wie gewohnt stattfand, hatten die Antifaschistischen Aktionstage gegen den Kärntner Konsens dieses Jahr ihr 5-jähriges Jubiläum. Kaum zu glauben was alles in nur fünf Jahren erreicht werden konnte.

 

3. Antifa-Aktionstag: Sonntag 20.9.

Nachdem es in die letzten Jahren für die Antifaschist_innen immer etwas mühsamer war in die Nähe des U-Bergs zu kommen, um den geschichstrevisionistischen Besucher_innen die Veranstaltung zu versüßen, wurden die Protestteilnehmer_innen dieses Jahr damit überrascht, dass der Bus bis zum Kollerwirt direkt fahren durfte - nur knappe 250 m von der U-Berg Gedenkstelle entfernt - und dort ihre Protestkundgebung wie angemeldet veranstalten konnten. Somit hätten eigentlich alle Teilnehmer_innen der FPÖ-Veranstaltung, die dieses Jahr als Trostpflaster für die geschichtsrevisionistischen Vor-vor-Gestrigen dienen sollte, an der Protestkundgebung vorbei kommen müssen. Doch bis auf die Kranzträger, hochrangige FPÖ-Funktionäre wie z.B. Herr Jannach, trauten sich keine Ulrichsbergwanderer durch das Spalier aus Antifa-Demonstrant_innen, Bannern mit klaren Botschaften sowie schwarz-roten und antifaschistischen Flaggen. Der Höhepunkt des antifaschistischen Empfangs stellte wohl das zweisprachige Banner "Hoch die Partisan_innen", unter welchem die FPÖler hindurch mussten, sowie die begleitenden lautstarken Parolen "Hoch die Partisan_innen" und "Gegen euch und eure Ahnen, helfen nur noch Partisanen".

Die weiteren FPÖ-Wanderer wurden etwas weiter oben bei dem Versuch sich heimlich durch den Wald in Richtung Ulrichsberg-Gedenkstätte zu schleichen von den Antifaschist_innen entdeckt und ihnen der Aufstieg durch eine Blockade etwas verschönert. Dabei wurde die Demo von zwei Schläger-Nazis mehrmals angegriffen, die von der sichtlich mehr als nur überforderten Polizei nicht abgeschreckt waren. Zum Glück ist keinem/keiner Demoteilnehmer_in etwas schlimmes passiert. Eine der Personen die angegriffen wurde wollte unmittelbar nach dem Angriff eine Anzeige bei der Polizei erstatten, doch alle drei (!) angesprochenen Polizisten reagierten in keiner Weise. Erst nachdem die Protestkundgebung von Seiten der Polizei aufgelöst wurde, fühlte sich der zuständige Polizeieinsatzleiter doch verantwortlich und nahm die Anzeige auf.

Unter den Ulrichsbergwanderer, die an der von der FPÖ aufgerufenen angeblichen Privatveranstaltung teilnahmen, waren neben etlichen jungen Neo-Nazis auch einige Schläger-Nazis sowie einschlägig bekannte Gesichter wie Schimanek jr. und Küssel dabei. Dies wurde auch fotografisch festgehalten, was neben stehendes Bild beweist.

 

Zusammenfassend …

Alles in allem waren es drei erfolgreiche Antifaschistische Aktionstage in Koroška/Kärnten. Zum 5. Jubiläum der stattfindenden Aktionstage gab es einige positive Ereignisse: Die sonst stattfindenden - dieses Mal eigentlich zum 50. Mal - Ulrichsbergfeierlichkeiten wurden verschoben und die von der FPÖ organisierte Ersatzveranstaltung wurde von ca. nur 150 Personen besucht. Generell ist im Vergleich von vor fünf Jahren die Besucher_innenzahl der Ulrichsbergfeierlichkeiten von ein paar tausenden auf ein paar hundert zurückgegangen. Der Vorplatz des Krumpendorfer Gemeindesaales - welcher sonst immer mit faschistischer Präsenz zu kämpfen hatte - wurde antifaschistisch mit einem eigenen Denkmal "besetzt", es gab keine größeren Auseinandersetzungen mit rechtem Gesindel - auch die Präsenz derer war während der ganzen drei Tage eher gering - und die Menschen in Koroška/Kärnten, allen voran in Celôvec/Klagenfurt, wurden mehr als sonst mit antifaschistischen Informationen und Präsenz bereichert.

Eine Auflistung einiger Medienberichte findet ihr hier …