Rinderzucht in Brasilien verursacht Vernichtung des Regenwaldes

 

Ein aktueller Greenpeace-Bericht vom 29.01.2009 soll aufrütteln: Nun sind die Auswirkungen der massiven Fleischproduktion in Brasilien auch schon auf der Internet-Karte Google Earth deutlich sichtbar: Innerhalb von 10 Jahren wurde eine Fläche von vergleichbarer Größe wie Österreich dem Erdboden gleichgemacht. Und die Vernichtung schreitet weiter voran.

 

Die Rinderzucht ist hauptverantwortlich für die Waldzerstörung. Mindestens 80% der abgeholzten Flächen werden für die Rinderzucht verwendet. Das bedeutet, dass sowohl für die ansteigende Fleischproduktion als auch für den ohnehin zu hohen und dennoch weiter anwachsenden Fleischkonsum unserem Planeten die Lebensgrundlage Stück für Stück entrissen wird.

 

Mit ca. 200 Millionen Tieren hat Brasilien die größte kommerzielle Rinderherde der Welt in seinem Besitz. Die Regierung forciert - obgleich beispielsweise der Regenwald dahinschwindet und Artenvielfalt rapide abnimmt - eine weitere Expansion der gezüchteten Rinder und der Fleischindustrie. Der Anteil der Fleischexporte soll bis 2018 verdoppelt werden!

 

Tobias Riedl, Waldexperte von Greenpeace, meint: "Der Urwald wird von den Rindern regelrecht aufgefressen... Dieser Wahnsinn muss sofort gestoppt werden, andernfalls hat das katastrophale Folgen für das weltweite Klima und den Erhalt der Artenvielfalt."

 

Es grenzt tatsächlich an Wahnsinn, was im Rahmen des kapitalistischen Systems alles geduldet wird, ja geradezu erwünscht ist: Zerstörung der Umwelt und grenzenlose Ausbeutung von Millionen von menschlichen wie nichtmenschlichen Tieren. Wofür?

 

Der Maximierung von Profit, dem Wirtschaftswachstum sowie dem angekurbelten Konsum wird oberste Priorität eingeräumt. Die erschreckend schnell voranschreitende Vernichtung der natürlichen Ressourcen und die dramatischen Konsequenzen für den Klimawandel stellen neben dem ethisch verwerflichen Handeln gegenüber den so genannten “Nutztieren” den hohen Preis dar, der für die Anhäufung von Kapital einiger weniger bezahlt wird. Dass dieser Preis zu hoch ist, sollte eigentlich einleuchten.

 

Die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes aufgrund der Rinderzucht und Fleischproduktion löst nicht nur Entsetzen bei Umweltschützer_innen, Tierrechtler_innen und Kapitalismuskritiker_innen aus. Auch aus menschrechtlicher Perspektive gleicht es regelrecht einem Skandal, was in Brasilien passiert ist und noch immer an der Tagesordnung steht. Dies soll ein kurzer Exkurs in die Geschichte verdeutlichen:

 

Im Jahre 1972 wurde der Plan angefertigt, der zur Nutzbarmachung des Gebietes um den Amazonas die Anlegung riesiger Rinderfarmen als Ziel hatte. Reiche Züchter aus dem Süden des Landes siedelten sich daraufhin in diesem Gebiet vermehrt an und nahmen den Ureinwohner_innen nach und nach ihren Lebensraum weg. Die Waldbewohner_innen sahen sich nicht fähig, ihr Recht auf ihre Heimat durchzusetzen. Die Vertreibung (von Indios wie Siedler_innen) aus den heimischen Ressourcen - nicht selten durch rohe Gewalt - ermöglichte die Rodung riesiger Waldflächen. Somit wurde die Vergrößerung des Weidelandes immer weiter vorangetrieben.

 

Doch es kommt noch schlimmer: Im Food&Watch Bericht zur Problematik der Rinderzucht in Brasilien aus dem Jahre 2007 ist darüber hinaus von Sklavenarbeit im 21. Jahrhundert die Rede. Die Waldrodung ist eine schmutzige, nicht gerade angenehme Angelegenheit. Diese Arbeit wird von Sklavenarbeiter_innen ausgeführt, die aus den ärmsten Regionen des Landes (aus dem Nordosten) stammen. Die Lage solcher Arbeiter_innen und die Lebensumstände, unter denen sie ihr Leben fristen müssen, ist so miserabel, dass eine “Anti-Sklaverei-Einheit” gegründet wurde, die ihre Aufgabe in der Befreiung der Sklavenarbeiter_innen sieht.

 

Zurück zur aktuellen Situation v.a. im Hinblick auf das globale Kilma: Im Dezember dieses Jahres werden sich Politiker_innen aus der ganzen Welt in Kopenhagen zur Weltklima-Konferenz einfinden und über geeignete Maßnahmen zum Klimaschutz verhandeln. Von Bedeutung sei vor allem der Finanzierungsmechanismus zum Schutz der Wälder. Für viele stellt diese Konferenz einen Hoffnungsschimmer dar, so auch für Tobias Riedl:

 

"Mit dieser Klimakonferenz hat die Politik die unwiederbringliche Chance, sich ernsthaft für den Schutz des Klimas und der Wälder und damit für eine lebenswerte Zukunft einzusetzen."

 

Bis dahin werden wohl noch weitere unbegreiflich große Flächen an Regenwald (durch Sklavenarbeit) für immer zerstört und zahllose Rinder gezüchtet, gequält und ermordet. Dass es sich bei diesen nicht um Objekte zur Fleischproduktion, sondern ebenso um intelligente, leidensfähige Individuen handelt, die über Bewusstsein verfügen und denen ein Recht auf ein Leben in Freiheit zusteht, wird zu oft außer Acht gelassen.

 

Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) werden für den Erhalt des Urwälder 30 Milliarden Euro pro Jahr benötigt. Die weltbekannte, globale NGO Greenpeace fordert die Einrichtung eines internationalen Urwaldschutzfonds. Dieser soll von den Industriestaaten finanziert werden.

 

Wer im Alltag etwas für den Umweltschutz und gegen den Klimawandel unternehmen möchte, kann diesem Wunsch leicht nachkommen. Es ist der effektivste und nachhaltigste Weg, bei sich selbst zu beginnen und Kleinigkeiten zu ändern. Eine solche Kleinigkeit kann zum Beispiel darin bestehen, den Fleischkonsum bzw. generell den Konsum von Produkten tierlicher Herkunft weitestgehend einzuschränken. Die Macht der einzelnen Konsument_innen wird sehr häufig unterschätzt.

 

Zum Thema Klimaschutz im Alltag gibt es eine informative Broschüre auf www.vegan.at.

 

Quellen:

 

www.greenpeace.at/news_wald_0901291.html

www.tropenwaldnetzwerk-brasilien.de/aktuell/news/news.brasil.20090130/

www.artikelvz.com/allgemein/die-rinderzucht-in-brasilien/

www.foodandwaterwatch.org/food/europe

 

 

J. P.